EM 2016: Positive zweite Tageshälfte
vom 21.11.2016
Tag drei der Europameisterschaften im schottischen Braehead hatten für die DCV-Teams nicht allzu gut begonnen. Die Herren verloren nach guter erster Hälfte noch recht klar gegen Tabellenführer Schweiz. Die Damen forderten Medaillenkandidat Schweden bis zum letzten Stein, mussten sich aber knapp 4:5 geschlagen geben. Doch die späten Sessions ließen die Stimmung im deutschen Lager wieder steigen. Gegen Vize-Weltmeister Dänemark holten die Herren ihren ersten Sieg und gaben die Rote Laterne endlich ab. Und die Damen fuhren gegen Norwegen bereits den dritten Sieg im fünften Spiel ein und stehen nun auf dem geteilten vierten Rang. (Foto: WCF)

Herren: Schweiz – Deutschland 7:2
Die Vorjahres-Finalisten aus der Schweiz um Skip Peter De Cruz machten es dem deutschen Herren-Team von Beginn an nicht leichter als die Gegner zuvor. Mit dem Hammer verbuchten die Eidgenossen im ersten End gleich ein Zweierhaus. Ein Fehlstein zum Abschluss des zweiten Durchgangs ließ einen Stein der Schweizer besser liegen, bedeutete schon das 0:3. „Damit war unsere taktische Marschrichtung praktisch über den Haufen geworfen, und jetzt mussten wir mehr Risiko gehen“, beschrieb Andy Kapp die Situation. Im dritten End musste man zwar nur einen Stein schreiben, doch im vierten belohnte man sich dafür und stahl einen Stein. Mit dem Spielstand von nun 2:3 war man wieder dran, doch die Schweizer wehrten die Attacken der nun offensiv agierenden Deutschen gut ab. Das fünfte End ließen sie ohne Punkte verstreichen. Im darauffolgenden Durchgang griff das DCV-Team wieder an. „Da kam aber leider der letzte Stein nicht genau, und das bedeutete mit drei Steinen gegen uns dann die Vorentscheidung“, so Kapp. Routiniert spielten die Schweizer die Partie weiter, stahlen im achten End nochmals einen Stein, bevor die deutschen Curler den Gegnern beim Stand von 2:7 vorzeitig den Handschlag anboten. „Wir haben jetzt nicht besonders schlecht gespielt, aber auf diesem Niveau reicht es eben noch nicht.“

Damen: Schweden – Deutschland 5:4
Die deutschen Damen begannen ihren dritten Turniertag mit dem Spiel gegen die mitfavorisierten Schwedinnen um Skip Anna Hasselborg. Das DCV-Team hielt über die gesamte Spielzeit gut dagegen, auch wenn man acht Ends lang ziemlich unter Druck stand. „Das sieht man daran, dass Daniela Jentsch mit ihrem jeweils letzten Stein nicht ein Mal zwei Steine schreiben konnte – nicht, weil sie den Stein nicht gebracht hätte, sondern weil die Schwedinnen uns die Chance dazu nicht eröffnet haben“, konstatierte Bundestrainer Thomas Lips. Trotzdem blieb die Partie bis zum Schluss offen, auch wenn abgesehen vom ersten End das deutsche Team nie in Führung gehen konnte. „Im neunten und zehnten End konnten wir dann an die starken Leistungen vom Vortag anknüpfen. Deshalb war es am Ende dann auch so knapp.“ Der letzte Stein von Daniela Jentsch im Schlussend – als Hit-and-Roll gespielt – kam nicht zu 100 Prozent, sodass Anna Hasselborg mit ihrem letzten Versuch einen einfachen Takeout spielen konnte, der letztlich den entscheidenden Punkt zum 5:4 brachte. „Natürlich sind wir über die Niederlage an sich enttäuscht, aber man muss es auch realistisch sehen. Gegen solche Topteams werden kleine Fehler eben bestraft, und dann reicht es nicht ganz. Aber wenn die Draws einen Tick genauer kommen, kann man auch so ein Team wie Schweden mal schlagen. Wir sind nahe dran. Auf diese Leistung können wir weiter aufbauen und positiv auf die nächsten Spiele schauen“, so Bundestrainer Thomas Lips.

Herren: Deutschland – Dänemark 8:2
Eine ungewöhnliche Maßnahme traf das deutsche Herrenteam vor dem zum Schlüsselspiel deklarierten Aufeinandertreffen mit dem Team Stjerne aus Dänemark, dem Vize-Weltmeister dieses Jahres. Skip Andy Kapp blieb draußen, stattdessen spielte Alternate Ryan Sherrard und Alexander Baumann skipte. Das hatte von Beginn an Erfolg. Weil Rasmus Stjerne seine Draws von der Länge her nicht hinbekam, konnte Baumann im dritten End ein Dreierhaus schreiben. Die Verunsicherung bei den Dänen nutzten die Deutschen im nächsten End, um zwei weitere Steine zu schreiben. Durch das 5:0 war bereits eine Vorentscheidung gefallen, die auch durch ein Zweierhaus der Dänen im sechsten End nicht mehr kippte, da Alex Baumann im siebten End nochmal drei Punkte aufs Scoreboard brachte.
„Wir haben mich ausgewechselt, um etwas zu verändern“, sagte Andy Kapp nach dem Spiel mit einem Grinsen. „Die Mannschaft hat ein sehr gutes Spiel abgeliefert, und es ist immer positiv, wenn ein Schlüsselspiel gut absolviert wird. Wie wir die Mitfavoriten Norwegen und Schottland morgen knacken können, werden wir heute beim Abendessen besprechen.“

Damen: Deutschland – Norwegen 7:6
Dass es in dieser Partie um viel ging und sich die Deutschen viel vorgenommen hatten, merkte man von Beginn an. Team Jentsch konnte schon im ersten End mit dem Hammer zwei Punkte einfahren und zwang die Norwegerinnen danach, einen zu schreiben. Doch die Skandinavierinnen brauchten den Sieg auch unbedingt, um vom Tabellenende wegzukommen. Sie stahlen im vierten End einen Stein, als die Deutschen eigentlich für mehrere Punkte lagen, weil ein Draw von Skip Daniela Jentsch etwas zu ungenau kam.
Die Reaktion war gut, denn die Deutschen holten sich mit einem Zweierhaus die Führung zurück. Doch auch Norwegen hatte gemerkt, dass etwas möglich war und antwortete prompt zum Ausgleich. So verlief die Partie bis es vor dem letzten End 6:6 stand, aber Team Jentsch das Recht des letzten Steins mit ins Schlussend nahm. Und hier bewies Daniela Jentsch gute Nerven, als sie zwei Mal mit ihren Steinen einen Stein der Däninnen aus dem Zentrum beförderte und selbst liegen blieb, so dass am Ende ein umjubelter 7:6-Erfolg zu Buche stand. Thomas Lips: „Das war ein richtiger Kampf-Sieg, von beiden Teams nicht optimal geführt. Wir hatten die Steine eigentlich immer für uns, aber am Ende wird’s doch nochmal knapp. Da hat das Team aber super Charakter gezeigt. Ich bin mit der Ausbeute bisher absolut zufrieden!“
TERMINE
2017
06. Oktober
World Mixed Championship
in Champéry (SUI)
17. November
European Curling Championships
in St. Gallen (SUI)
09. Februar
Olympische Winterspiele 2018
in PyeongChang (KOR)
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