DCV-Herren mit Ausrufezeichen an EM-Tag vier
vom 22.11.2016
Die deutschen Herren haben sich am vierten Wettkampftag bei den Europameisterschaften eindrucksvoll zurückgemeldet, mit zwei Siegen gegen starke Gegner einen wichtigen Schritt in Richtung WM-Teilnahme gemacht und dabei sogar die Chance auf eine mögliche Playoff-Qualifikation gewahrt. Die Damen hatten weniger Glück, mussten gegen Mitfavorit Schottland eine knappe Niederlage einstecken.

HERREN: Norwegen – Deutschland 6:7
Gegen das norwegische Team um Star-Skip Thomas Ulsrud, das bei den letzten neun Europameisterschaften jeweils auf dem Treppchen stand und dabei zwei Mal den Titel holte, ging das deutsche Team als klarer Außenseiter ins Rennen. Die DCV-Curler, die wieder ohne Routinier Andy Kapp auf dem Eis standen, wählten eine etwas unkonventionelle Taktik und griff vor allem in den ungeraden Ends mit viel Druck an. Zu Beginn zahlte sich das allerdings noch nicht aus. Mit dem Hammer versehen verzichtete man im ersten End auf Punkte, musste dann im zweiten aber nur einen Stein schreiben. Die Norweger konterten mit einem Zweierhaus zur Führung. Doch das deutsche Team blieb geduldig, wartete auf seine Chancen und wurde belohnt. „Die Norweger wirkten ungewöhnlich angespannt“, hatte Kapp beobachtet. Und so unterliefen Ulsrud in der Folge zwei, drei halbe Fehlsteine, die Skip Alexander Baumann gut auszunutzen wusste und im fünften sowie im siebten End jeweils doppelt punktete.

Nach den regulären zehn Ends stand es unentschieden, sodass ein Extra-End die Entscheidung bringen musste. Hier hatte Deutschland das Recht des letzten Steins, und am Ende besorgte Baumann mit einem perfekten Draw den einen Stein zum knappen Überraschungssieg. „Das war ein ganz wichtiger Sieg gegen einen Mitfavoriten. Wir haben uns gute Mittel erarbeitet, wie wir diesen Gegner schlagen können“, so Kapp.

DAMEN: Deutschland – Schottland 6:8
Die deutschen Damen um Daniela Jentsch konnten gegen Mitfavorit Schottland mit Skip Eve Muirhead nicht an die zuletzt starken Leistungen anknüpfen. Dennoch blieb die Partie lange offen. „Das war sicher nicht unsere beste Turnierleistung“, gab Bundestrainer Thomas Lips zu. „Daniela hat mit einigen guten Steinen viel gerettet, deshalb war es am Ende auch knapp. Aber so eine Leistung wie heute reicht gegen so einen starken Gegner nicht. Aber es ist bei Weitem keine Tragödie. Das ist ein gutes Resultat, obwohl die Mädels es als Team deutlich besser können.“

Schon zu Beginn spielte Schottland mit viel Druck, eröffnete dem deutschen Team hinten heraus aber immer wieder die Möglichkeit, im Spiel zu bleiben. So stand es nach einem gestohlenen Stein für Deutschland im fünften End bei Halbzeit 4:4-unentschieden. Nach einem weiteren Zweierhaus im sechsten End stahl daraufhin diesmal Schottland einen Stein zum 7:4 und sorgte damit für eine Art Vorentscheidung. Die DCV-Curlerinnen konnten zwar noch einmal verkürzen, den Vorsprung am Ende aber doch nicht mehr wettmachen.

„Morgen ist unser zweiter Big Day mit den Spielen gegen Dänemark und Russland. Da könnten wir das WM-Ticket schon lösen“, so Lips. „Wenn wir wieder besser spielen und an die Leistungen aus den Spielen gegen Finnland oder auch Schweden anknüpfen, können wir guten Mutes sein.“

HERREN: Norwegen – Deutschland 6:7
Auch im zweiten Spiel des Tages hatten sich die deutschen Herren eine offenbar wirkungsvolle Taktik zurechtgelegt. Gegen den zweimaligen Vize-Weltmeister Tom Brewster und sein Team, aus Schottland war man zwar über weite Strecken des Spiels unter Druck, konnte sich aber in den richtigen Momenten davon befreien. Eine starke Leistung bot vor allem Skip Alexander Baumann, der nahezu alle „pressure shots“ zu 100 Prozent brachte und so zuerst Unheil abwendete und dann stark angreifen konnte. „Wir hatten uns wieder für eine eher unkonventionelle und defensive Taktik entschieden, mit der die Schotten merklich Schwierigkeiten hatten“, sagte „Ersatzmann“ Andy Kapp.

Dabei lief es zu Beginn allerdings noch nicht wie gewünscht. Bei Halbzeit lag die DCV-Formation knapp mit 1:2 zurück. Doch je länger die Partie dauerte, umso besser kamen Baumann und Co. ins Spiel. Mit dem gestohlenen Stein im achten Durchgang hatte man sich gänzlich vom Druck befreit. Schottland verzichtete im neunten End auf Punkte und nahm das Recht des letzten Steins mit ins Schlussend. Doch auch dort bestimmte Deutschland das Geschehen und stahl einen Stein zum 4:2-Endstand. „Das waren schon Ausrufezeichen heute“, so Kapp. „Auf jeden Fall sind wir damit noch im Rennen um die WM-Tickets und auch um einen Platz in den Playoffs. Aber wir müssen weiter gewissenhaft arbeiten.“

(Foto: WCF)

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